Die herkömmliche Diätetik, die auf einer verringerten Kalorienzufuhr beruht, geht davon aus, dass man deshalb an Gewicht zunimmt, weil man zu viel isst (abgesehen von der erblichen Veranlagung).

Wer schon einmal versucht hat, weniger zu essen, um an Gewicht zu verlieren, wird festgestellt haben, dass man dieses Ziel nicht erreicht. Anstatt die überflüssigen Pfunde für immerzu verlieren, bringt man häufig einige Monate später noch mehr auf die Waage als zuvor.

Wie bereits gesagt wurde, ist nicht die übermäßige Energiezufuhr über die Nahrung für die Bildung der Fettreserven verantwortlich, sondern die Beschaffenheit der verzehrten Lebensmittel, d.h. ihre Nährstoffzusammensetzung. In diesem Kapitel wird ausführlich auf diese Thematik eingegangen.

Der Inhalt dieses Kapitels ist ebenfalls technischer Natur und sollte auch sehr aufmerksam gelesen werden. Es wäre falsch, sich gleich das Kapitel über die Methode vorzunehmen, ohne die wahre Ursache für die Gewichtszunahme zu kennen.

Die Erklärung für die Gewichtzunahme liegt in der Höhe des Blutzuckerspiegels und der daraus resultierenden Bildung von Fettreserven.

Wie bereits dargelegt wurde, ist die Glukose der Treibstoff des Organismus. Das Blut dient als permanenter Glukosespeicher, aus dem die Organe ihren Glukosebedarf decken (Gehirn, Herz, Nieren, Muskeln…).

Bekanntlich enthält dieser „Speicher“ normalerweise eine Konzentration von 1 g Glukose pro Liter Blut. Der Organismus verfügt über zwei Möglichkeiten, die benötigte Glukose zu beschaffen und somit die Konzentration von 1 g pro Liter Blut aufrechtzuerhalten.

Die erste Möglichkeit besteht in der Glukoseherstellung. Der Organismus ist jederzeit in der Lage, aus den Fettreserven, die im Fettgewebe gespeichert sind, Glukose zu produzieren.

Bei einem sehr großen Bedarf ist es ihm sogar möglich, aus der Muskelmasse, d.h. aus den in den Muskeln enthaltenen Proteinen, Glukose herzustellen.

Die zweite Möglichkeit der Glukosebeschaffung besteht in dem Verzehr kohlenhydrathaltiger Lebensmittel, d.h. sämtlicher Arten von Zucker, Obst und anderen Stärkeprodukten (siehe Teil 1, Kapitel 3).

Bekanntlich findet bei der Verdauung eine Umwandlung der Kohlenhydrate in Glukose statt, mit Ausnahme der Fruktose.

Doch bevor eine Speicherung im Organismus in Form von Glykogen erfolgt, wird die Glukose durch das Blut transportiert.

Dies bedeutet, dass die nach dem Verzehr eines Kohlenhydrates * entstandene Glukose einen plötzlichen Anstieg des Blutzuckerspiegels verursacht.

Nach dem Verzehr von Obst, Süßigkeiten oder Stärkeprodukten erhöht sich plötzlich die Blutzuckerkonzentration (die normalerweise bei 1 g pro Liter Blut liegt).

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Sie beträgt zum Beispiel 1,20 g nach dem Verzehr von Obst oder 1,70 g nach dem Verzehr von Kartoffeln. Diesen plötzlichen Anstieg des Blutzuckerspiegels durch die Resorption eines Kohlenhydrates bezeichnet man als Hyperglykämie.

Sobald die Schwelle von 1 g Glukose pro Liter Blut stark überschritten ist, befindet man sich im Bereich der Hyperglykämie. Wenn dagegen die Blutzuckerkonzentration zu sehr absinkt (bis auf 0,50 g/1), spricht man vom Hypoglykämiebereich.

Wie im vorhergehenden Kapitel dargelegt wurde, hängt die Hyperglykämie vom glykämischen Index des verzehrten Kohlenhydrates ab.

Somit ensteht nach dem Verzehr von Obst, das einen niedrigen glykämischen Index aufweist (ca. 30), nur eine geringe Hyperglykämie. Wenn dagegen Süßigkeiten (mit einem glykämischen Index von 75) oder Bratkartoffeln (mit einem glykämischen Index von 95) verzehrt werden, führt dies zu einer starken Hyperglykämie, die beispielsweise den Wert von 1,75 g erreicht.

Da der normale Blutzuckerwert bei 1 g/1 liegt, wird bei einer erhöhten Konzentration ein Regulationsmechanismus ausgelöst. Dessen Überwachung erfolgt durch ein wichtiges Organ, die Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin freisetzt.

Das Insulin ermöglicht das Eindringen der Glukose in die Organe, die es benötigen, wodurch eine Senkung des Blutzuckerspiegels hervorgerufen wird. Außerdem begünstigt Insulin die Bildung von Fettreserven.

Sobald also die Konzentration des Blutzuckerspiegels den Wert von 1 g/1 übersteigt, sondert die Bauchspeicheldrüse Insulin ab, um den Normalzustand wiederherzustellen.

Wenn dagegen die Blutzuckerkonzentration unter den Normalwert sinkt (Hypoglykämie), sorgt der Organismus für einen Wiederanstieg des Blutzuckerspiegels und stellt somit das Gleichgewicht wieder her.

Normalerweise steht die Menge des von der Bauchspeicheldrüse zur Senkung des Blutzuckerspiegels produzierten Insulins direkt im Verhältnis zur Blutzuckerkonzentration.

Nach dem Verzehr von Obst beispielsweise, das eine schwache Hyperglykämie auslöst, sondert die Bauchspeicheldrüse eine geringe Menge Insulin ab, da der Blutzuckerspiegel nur leicht erhöht ist.

Nach dem Verzehr von Süßigkeiten, die eine starke Hyperglykämie auslösen, scheidet die Bauchspeicheldrüse jedoch eine große Menge Insulin aus, um die Blutzuckerkonzentration wieder zu normalisieren.

In allen Fällen wird die vom Insulin aus dem Blut getriebene Glukose entweder in der Leber gespeichert (in Form von Glykogen) oder von Organen verwendet, die es benötigen, wie zum Beispiel Gehirn, Nieren, rote Blutkörperchen, oder als Depotfett angelegt.

Wenn man nun zu Übergewicht neigt, ist dies darauf zurückzuführen, dass eine Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse vorliegt. Dies bedeutet, dass im Fälle einer starken Hyperglykämie die Bauchspeicheldrüse eine extrem große Menge Insulin absondert. Man bezeichnet dies als Hyperinsulinismus.

Es wurde wissenschaftlich bewiesen, dass gerade Hyperinsulinismus für die übermäßige Bildung von Fettreserven verantwortlich ist.

Um dieses Phänomen besser zu verstehen, wurden zwei Versuche durchgeführt, bei denen beobachtet wurde, wie sich der Verzehr eines Butterbrotes bei einer zu Übergewicht neigenden Person auswirkt.